Die Moar Alm bei Sachsenkam
Der Obermüller Balthasar, auch der Moarbauer von Sachsenkam genannt, soll ein recht eigenwilliger Mensch gewesen sein. Ein Gspinnerter mit hundert Macken und Mucken, so behaupten die einen. Ein Philosoph und Denker, jemand der seiner Zeit weit voraus war, sagen die anderen. Zu jenen, die den Moarbauern, der vor 15 Jahren im Alter von 87 starb, noch in sehr guter Erinnerung behalten haben, gehört Christine Robert. Und sie muß es wissen. Schließlich ist sie die Enkelin des Sachsenkam Originals. Nicht nur das: Seit genau zwanzig Jahren führt die geborene Obermüller das weithin bekannte Speiserestaurant Auberge Moar Alm. Ursprünglich als Austragshäusl gedacht, hat es der Opa mithilfe seines Sohnes, der ebenso Balthasar heißt, vor einem halben Jahrhundert gebaut. Den Platz für seine Alm, außerhalb des Ortes inmitten von grünen Weiden und Wiesen gelegen, hat er sich durch die Vergabe eigener Grundstücke eingetauscht. Für damalige Verhältnisse auch wieder etwas ziemlich gspinnertes, weil er, wie sein Sohn erzählt, dabei oft gar kein gutes Geschäft gemacht hat.
Man betrachte allerdings die wahrhaft königliche Lage des Restaurant – die Alm thront schon von weither sichtbar hoch auf einem Hügel nahe Sachsenkam. Alsdann lege man das Panorama von der sonnigen Terrasse, wo sich gen Süden und Osten der Alpenbogen hin ausbreitet, während im Westen das Kloster Reutberg aus dem Kirchseemoor auftaucht, mit in die Waagschale.
Sieht man all dies mit den Augen derjenigen, welche das Speiselokal nicht nur wegen seiner Küche, sondern auch seiner schönen Lage wegen aufsuchen, dann gibt man denjenigen durchaus recht, die gesagt haben, der Moarbauer sei seiner Zeit voraus gewesen.
Wenngleich dem Balthasar Obermüller damals gar nicht der Sinn nach einer Restauration oder dergleichen stand. Denn wie seine Enkelin, die eigentlich Krankenschwester hat werden wollen, und dann aber über die Liebe mit Heiratsfolgen zur französischen Küche gekommen ist, verrät, sollte dort oben bestenfalls eine Alm stehen. Ein ganz einfaches Häusl eben mit einem Stall, wo man das Vieh des Sommers über halten und etwas Milchwirtschaft betreiben konnte. Außerdem sei der Opa sehr naturverbunden gewesen, ein Sonnenanbeter und Alkoholgegner, der am liebsten seine Ruh haben wollte.
Sohn Balthasar, der sich noch genau daran erinnert, weil er damals achtzehnjährig, mit dem Vater gerade beim Bauen war, erzählt, das es aber dann doch ganz anders gekommen ist. Just an jenem Tag, recht sonnig sei es gewesen, kamen zwei Damen auf Ihren Fahrrädern vorbei. „Geh mogst uns ned des Häusl verpachten, machat ma a Kaffee draus“ hätten diese gefragt. Mit der Auflage dort oben dann aber auch die Milch seiner Kühe zu verkaufen, sei der Moarbauer mit den beiden Witwen aus Grub und Holzkirchen, nämlich der Feil Anni und der Wilhelm Resl, recht bald handelseinig geworden. 800 Mark kostete damals die Pacht im Jahr, dafür gab es aber auch weder Fließwasser, noch Strom. Wie Balthasar junior, der den Hof seines Vaters im Dorf übernommen hat, weswegen er auch wiederum der Moarbauer genannt wird, weitererzählt, hat es nach den beiden Witwen noch eine ganze Reihe von Pächtern und Pächterinnen gegeben, bevor seine Tochter das Lokal übernahm und die Auberge daraus machte.
Neben den feinen Speisen und Getränken, die dort oben kredenzt werden, finden unter Christine Roberts Regie auch immer wieder verschiedene Veranstaltungen statt. Bon appetit.
Quelle : Sigrid Hofstetter




